Was sind Jane’s Walks?

Jane’s Walks sind kostenlose Nachbarschaftsspaziergänge, die jedes Jahr am ersten Maiwochenende von Freiwilligen organisiert werden. Sie finden mittlerweile weltweit in Hunderten von Städten statt.

Warum Jane?
Die Spaziergänge werden zu Ehren der nordamerikanischen Aktivistin Jane Jacobs organisiert, die viel Wert auf Alltagsbeobachtungen und die Einbeziehung der Anwohner:innen in die städtebaulichen Überlegungen gelegt hat.

Dialog im Gehen
Die ehrenamtlich geleiteten Veranstaltungen sind als Dialog im Gehen konzipiert. Wir laden die Menschen ein, nach draussen zu gehen und ihr Stadtquartier zu Fuss neu zu entdecken.

Alltagswissen
Die Jane’s Walks fördern Begegnungen auf Augenhöhe und stärken den sozialen Zusammenhalt und das bürgerschaftliche Engagement. Und für Planungsfachleute sind sie die Gelegenheit, im Gehen die Bevölkerung vor Ort und ihr Alltagswissen kennenzulernen.

Koordination auf nationaler Ebene
Fussverkehr Schweiz, der schweizerische Fachverband für das Gehen, koordiniert und fördert die Jane’s Walks landesweit seit 2021.

Wer ist Jane Jacobs?

Die auf Urbanität spezialisierte nordamerikanische Journalistin, Autorin und Aktivistin Jane Jacobs (1916–2006) hat sich mit ihrem ganz eigenen Blick auf die Stadt einen Namen gemacht. In den 1960er Jahren hat sie sich für den Erhalt von im menschlichen Massstab errichteten Stadtquartiere engagiert.

Vision

In ihrer Vision spielt das Wissen um den Alltag und die Expertise der Bürgerschaft eine entscheidenden Rolle, um eine Stadt verstehen und gemeinsam fussgängerfreundlich gestalten zu können.

«Tod und Leben grosser amerikanischer Städte»

Die meisten Beobachtungen aus ihrem Erfolgswerk «Tod und Leben grosser amerikanischer Städte» (The Death and Life of Great American Cities) von 1961, einem Plädoyer für urbane Vielfalt und Vitalität, sind nach wie vor aktuell.

Spaziergänge zu Ehren von Jane Jacobs

Nach Jane Jacobs‘ Tod hatten mehrere Freund:innen die Idee, einen Spaziergang zu Ehren der Aktivistin und ihrer Ideen zu organisieren. Dieser erste Jane’s Walk fand am 5. Mai 2007 in Toronto statt. Mittlerweile werden die Nachbarschaftsspaziergänge in mehr als 200 Städten auf der ganzen Welt durchgeführt.

«Niemand kann herausfinden, was letztlich in unseren Städten funktioniert, indem er oder sie … Gartenstädte beobachtet, massstabsgetreue Modelle entwirft oder imaginäre Städte erfindet. Man muss raus und zu Fuss gehen.»

Jane Jacobs, «Downtown is for People» (1958)

 Die 10 Prinzipien von Jane Jacobs

Sind genügend Fussgänger:innen unterwegs, sind wachsame Augen unterwegs, was die soziale Sicherheit im öffentlichen Strassenraum erhöht.

Durch die alltäglichen Aktivitäten und Interaktionen in einem Stadtviertel entsteht nach und nach ein Beziehungsnetzwerk zwischen Nachbar:innen. Dieses «Sozialkapital» bildet die Grundlage für gegenseitiges Vertrauen, gemeinsame Aktivitäten und Widerstandsfähigkeit in schwierigen Zeiten.

Die folgenden vier Faktoren der Stadtplanung und -gestaltung tragen dazu bei, dass eine Stadt vielfältig, sicher, sozial, praktisch und wirtschaftlich dynamisch ist:

  • Mischnutzungen: Gibt es in einem Stadtviertel eine Mischung aus verschiedenen Arten von Wohngebäuden, Arbeitsstätten und Geschäften, führt dies ganztägig zu belebten Strassen.
  • Alternde Gebäude nutzen: Leerstehende und unternutzte Bauten bieten günstigen Raum für Start-ups und gemeinnützige oder nicht gewinnorientierte Unternehmen.
  • Kleinteiligere Baustruktur: Ein dichteres Weg- und Strassennetz schafft mehr Möglichkeiten für den Detailhandel und mehr Gelegenheiten zur nachbarschaftlichen Begegnung.
  • Bevölkerungsdichte: Vereinfacht gesagt müssen viele Menschen auf kleinem Raum leben, damit die Strassen, Parks und Geschäfte einer Stadt ausreichend genutzt werden.

Moden und Technologien kommen und gehen. Immer relevant bleiben hingegen die unzähligen Arten, wie die Menschen den Siedlungsraum nutzen.

Das Wirtschaftswachstum auf lokaler, nationaler und globaler Ebene hängt von der Fähigkeit der städtischen Wirtschaft ab, sich vor Ort umfassend und verschiedenartig zu entfalten. Sich auf Importe zu verlassen, reicht nicht.

Je vielfältiger die vorhandenen Arbeitsplätze in einer lokalen Wirtschaft sind, desto mehr Möglichkeiten gibt es, neue Funktionen zu schaffen und neue Arbeitsplätze miteinander zu kombinieren.

Für ein vielfältiges, gut funktionierendes Alltagsumfeld müssen die vielen sehr verschiedenen Menschen in die Lage versetzt werden, als Individuen und in der Gemeinschaft ihre eigenen kleinen Pläne Schritt für Schritt zu verfolgen.

Damit die Menschen ihre persönlichen schrittweise Pläne realisieren und neue Beschäftigungsarten florieren können, sind zahlreiche, kontinuierlich zur Verfügung stehende Geldmittel erforderlich.

Städte funktionieren wie Ökosysteme. Alles ist mit allem auf komplexe, einzigartige Weise verbunden. Das lässt sich nicht gut mit Statistiken oder Formeln erfassen.

«Interessierte Bürger:innen» verstehen die Komplexität des städtischen Lebens am besten. Sie lassen sich nicht von eingefahrenen Denkweisen beeinflussen, die häufig mit einer Fachausbildung einhergehen. Und sie können leichter daraus lernen, was sie unmittelbar vor Ort sehen und erleben.

Jane’s Walk: Der Podcast

In dieser Episode nehmen uns Henriette und Áron mit auf eine Entdeckungsreise durch die Hochhaussiedlungen von Bern-West. Diese Siedlungen verkörpern ein generationenübergreifendes Zusammenleben. Die Bewohner:innen des Quartiers erzählen, warum sie gerne da wohnen und wie sich die Siedlung mit den Grossbauten aus den 1970er Jahren entwickelt hat. Wir erhalten dabei Einblicke in den Alltag und hören Anekdoten aus einem Quartier, das gelegentlich auch als „Slum“ bezeichnet wird.

Begleiter:innen: Henriette Lutz & Áron Korózs
Musik: Blue Dot Sessions
Produktion: Daniela Hallauer

Jane’s Walk in den Medien

2026

2025

2024

2023

2022

A la (re)découverte de son quartier, Tribune de Genève, 13.04.2022